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Sendetermine: 24. bis 28. August 2009, 8.30 bis 9.00 Uhr
Der Roman spielt in den 70er-Jahren, in denen viele junge Leute aus gebildetem Elternhaus, wie auch der Autor selbst, zur Umerziehung in die Dörfer verbannt wurden. Für die Verfilmung schrieb Dai Sijie selbst das Drehbuch und führte auch Regie. 2004 erschien sein Roman "Muo und der Pirol im Käfig" in deutscher Übersetzung. Es ist die Geschichte eines Psychoanalytikers, der aus dem französischen Exil nach China zurückkehrt, um seine große Liebe aus der politischen Gefangenschaft zu befreien.
In seinem neuen Roman, im Original "Par une nuit où la lune ne s’est pas levée", Anfang 2007 erschienen, entwirft er eine komplexe Geschichte, die einen geheimnisvollen Text auf einer uralten Seidenrolle mit dem Leben einer französischen Studentin und einem chinesischen Gemüsehändler verbindet. Die Ich-Erzählerin, eine französische Studentin, begegnet 1979 bei einer Vorbesprechung für Bertoluccis Film "Der letzte Kaiser" dem alten Gelehrten Tang Li. Dieser erzählt ihr die wahre Geschichte von Puyi, dem letzten chinesischen Kaiser. Tang Li ist eine erfundene Person, ebenso wie sein Werk "Cixis geheime Biografie" fiktiv ist.
Puyi , der im Alter von zwei Jahren auf den Thron kam, musste 1912 abdanken. Er war von seiner Tante, der Kaiserinwitwe Cixi, die 47 Jahre lang die Fäden im Reich der Mitte gezogen hatte, eingesetzt worden. Seit 1925 lebt der junge Puyi in Tianjin und befasst sich mit den alten Kunstwerken aus seinem kaiserlichen Schatz. Besonders hat es ihm eine Sutrenrolle angetan, auf der ein Text in einer unbekannten Sprache auf seine Entschlüsselung wartet. Diese Sutrenrolle wird nicht nur für das Leben des letzten chinesischen Kaisers, sondern auch für das der beiden Protagonisten in diesem Roman, der französischen Studentin und ihres chinesischen Geliebten, eine zentrale Rolle spielen.
Doch Phasen intensiven Studiums lösen sich beim 19-jährigen Puyi, so erzählt es der Gelehrte Tang Li, mit solchen großer Gleichgültigkeit ab. Einen Brief aus Borneo, der ihm die Ähnlichkeit eines Zeichens mit einem Buchstaben aus dem phönizischen Alphabet aufzeigt, legt Puyi achtlos beiseite. Von 1934 bis 1945 fungierte Puyi als Kaiser des von den Japanern gegründeten Marionettenstaats in der Mandschurei. Bis 1950 war Puyi dann in russischer Gefangenschaft. Danach verbrachte er, zur Umerziehung durch die Volksrepublik China, weitere neun Jahre in der Mandschurei. Dort berichtete er vor einer Untersuchungskommission, so erzählt es Dai Sijie in seinem Roman, von der kostbaren Sutrenrolle, die er zerriss und zum Teil aus dem Flugzeug warf. Er starb 1967 in Peking, wo Mao als Vorsitzender der Kommunistischen Partei seit 1949, seit Gründung der Volksrepublik China, mehr oder weniger bis zu seinem Tod 1976 die Geschicke des Landes lenkte.
Ende der 70er- Jahre studiert die Französin an der Universität in Peking. Mao ist seit 1976 tot und China wagt eine gewisse Öffnung nach Westen. Die junge Französin, Ich-Erzählerin des Romans, hat einen attraktiven Gemüsehändler aus der Klein-Indien-Straße kennen gelernt. Er trägt den seltsamen Namen Tumschuk. Seine Mutter arbeitet als Kuratorin im Museum der Verbotenen Stadt. Offenbar ist sie die Nachfahrin eines Großneffen der Kaiserinwitwe Cixi, der Ein-und-Siebzig genannt wurde. Tumschuks Freund Ma hat ihm ein Buch mitgebracht, als er von der Umerziehung aus den Bergen nach Peking zurückkehrte: "Cixis geheime Biographie" von Tang Li. Hier finden sich einige interessante Einzelheiten über Zai Lan alias Ein-und-Siebzig.
Der Blick in die literarische Werkstatt und in neue Bücher namhafter Autoren, mit Einführung.