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Das Beste am Norden
Neue CDs | 27.03.2009 14:30 Uhr

Die Aeolsharfe

Romantische Oper in 4 Akten von Justin Heinrich Knecht
Stuttgarter Kammerchor
Hofkapelle Stuttgart

Vorgestellt von Petra Rieß

Der Komponist Justin Heinrich Knecht ist ein sogenannter Kleinmeister. Er war Zeitgenosse Mozarts und hat als Komponist, Organist, Dirigent und Musikpädagoge im schwäbischen Biberach gelebt und gearbeitet. Seine Oper "Die Aeolsharfe" hat 200 Jahre lang keine Aufführung erlebt - dann hat sie der Leiter des renommierten Stuttgarter Kammerchores Frieder Bernius entdeckt und flugs auf die Bühne gebracht - vorerst nur konzertant - doch mit bemerkenswertem Ergebnis, das man nun auch auf einer CD nachhören kann.

Die heilende Kraft der Musik

Diese Oper macht Spaß. Sie ist romantisch, verspielt, lustig, mit teilweise sehr verschüttelten Reimen und einer temperamentvollen Musik, die sofort an einen ungestümen Mozart denken lässt. Entsprechend auch die actionreiche Handlung, die dem Hollywood-Streifen "Fluch der Karibik" alle Ehre machen würde. Dabei geht es um nicht weniger als die alles verbindende und heilende Kraft der Musik - verkörpert durch die Aeolsharfe - und die wird vom Wind gespielt.

Die Geschichte der Oper ist schnell erzählt: König Hierokles und sein Volk, die Aeolier, leben glücklich und zufrieden und werden nur von den Kapern bedroht - die segeln ab und zu mal vorbei, so auch diesmal. Der Chef, Selim, ist vom Klang der neu erfundenen Aeolsharfe verzaubert und will sie rauben. Dabei werden er und seine Truppe nicht nur kurzer Hand von den Aeolern gefangen gesetzt, sondern Selim verliebt sich sofort in Melilla, die Wächterin der Aeolsharfe und Königstochter. Klar, dass das erst einmal nicht gut gehen kann. Doch nach vielen Irrungen und Wirrungen gibt es auch hier ein Happy End. Damit das nicht so lange auf sich warten lässt, präsentieren Bernius und die Stuttgarter eine leicht gekürzte Fassung, die allen Interpreten dennoch viel Raum zur Entfaltung bietet.

Ein süddeutscher Musikschatz

Die Münchner Sopranistin Christina Landshammer singt - nuancenreich und ausdrucksstark - die Melilla, Königstochter und Hüterin der Aeolsharfe. Auch die anderen Solistenrollen sind mehr als überzeugend besetzt: mit hervorragenden jungen, frischen und schon erfolgreichen Stimmen aus dem süddeutschen Raum und dem Stuttgarter Kammerchor.

Bernius hat sich längst als Dirigent und Lehrer international einen Namen gemacht. Mit dem Kammerchor Stuttgart hat er Maßstäbe gesetzt. Die Hofkapelle Stuttgart wurde vor drei Jahren von ihm als Ergänzung zum Barockorchester Stuttgart gegründet. Bernius pflegt ein vielseitiges Repertoire - vor allem will er süddeutsche Musikschätze heben. Und mit der "Aeolsharfe" von Knecht ist ihm das einmal mehr gelungen. Dem hochbegabten Komponisten Knecht war es  alledings - bis auf einen zweijährigen Karriereausflug nach Stuttgart - nie wirklich geglückt, seiner Heimat, der schwäbischen (Biberacher) Provinz, zu entkommen.

Die Aeolsharfe entstand in jener Stuttgarter Zeit und atmet ein wenig den Geist Mozarts. Eine deutschsprachige Oper, geschrieben 1807 - 16 Jahre nach der Zauberflöte. Die vorliegende Weltersteinspielung von Bernius und dem Stuttgarter Kammerchor beschert knapp zweieinhalb Stunden konzertantes Vergnügen mit wunderbar dramatisch agierenden Solisten, einem klanglich brillanten Chor und einer Hofkapelle, die den historischen Originalklang herbeizaubert. Denn - wie heißt es in der Aeolsharfe an einer Stelle so treffend: Der König mag der Kunst gebieten - doch Kunst erschaffen kann er nicht.

Ausschnitt aus dem CD-Cover: Die Aeolsharfe von Justin Heinrich Knecht. © Carus Verlag

Titel

Die Aeolsharfe

Autor

Knecht, Justin Heinrich

Erschienen bei

Carus
CD-Tipps
Ausschnitt aus dem CD-Cover: Mendelssohn: Lobgesang vom Kammerchor Stuttgart. © Carus

Mendelssohn: Lobgesang

01.03.2009 15:30

Eine CD des Kammerchors Stuttgart - vorgestellt auf NDR Kultur.