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Genau 200 Jahre ist es her, da wurde in Düsseldorf der Komponist Norbert Burgmüller geboren. Aus ihm hätte vielleicht ein ganz Großer werden können, ein Musiker auf einer Stufe mit Robert Schumann, Franz Schubert und Johannes Brahms. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit Burgmüller. Bereits mit 26 Jahren ertrank er während einer Kur in Aachen, wahrscheinlich nach einem epileptischen Anfall. Schumann schrieb noch einen emphatischen Nachruf auf den Komponisten. Dann wurde es immer stiller um ihn. Dabei hat Burgmüller in seinem kurzen Leben immerhin zwei große Sinfonien geschrieben, die jetzt pünktlich zum 200. Geburtstag in einer Neueinspielung beim Label Carus auf den Markt gekommen sind.
"Wenn er länger gelebt hätte, wäre er noch mehr in Richtung Brahms gegangen. Da gibt es viel, gerade in der ersten Sinfonie, auch monothematische Arbeit, das heißt mit einem Motiv, mit einem Thema wird die ganze Sinfonie gestaltet, vergleichbar mit Beethovens Fünfter mit dem bekannten Schicksalsmotiv. Und Burgmüller hat schon eine wichtige Stellung zwischen Beethoven und Brahms", so ordnet der Berliner Musikwissenschaftler und Burgmüller-Forscher Dr. Klaus Martin Kopitz den Komponisten ein.
Allerdings sah das die Musikgeschichte für gut 150 Jahre ganz anders. Vergessen waren Burgmüller und sein überschaubares Schaffen. Das hat sich in den letzten 30 Jahren geändert: Inzwischen ist ein Großteil seiner Musik auf CD zu haben. Seine beiden Sinfonien sind jetzt das erste Mal auf historischen Instrumenten eingespielt worden und zwar mit der Hofkapelle Stuttgart unter Frieder Bernius.
Es ist eine stürmische rhythmische Kraft, die dieses Scherzo aus Burgmüllers erster Sinfonie in c-Moll antreibt. Hier in der klaren Form des Tanzes, in der periodisch gebauten Struktur liegt eine der kompositorischen Stärken Burgmüllers. Und in der Erfindung eingängiger Melodien. Gleich mehrere Liedersammlungen hat er während seines kurzen Lebens komponiert. Von dieser Erfahrung profitiert er deutlich im Andante-Satz seiner zweiten Sinfonie, wo die Oboe die Führungsrolle mit einer wunderschönen Kantilene übernimmt.
In seiner zweiten Sinfonie rückt Burgmüller stilistisch deutlich in die Nähe von Franz Schubert. Ein pastoraler Tonfall durchzieht diese D-Dur-Sinfonie. Sie ist weniger ernst, weniger streng im Ausdruck als ihre Vorgängerin. Geschmeidige melodische Linien und farbenreiche Instrumentierung zeichnen den Kopfsatz aus. Die exzellent intonierenden Bläser der Hofkapelle Stuttgart kosten das voll aus.
Man muss sich beim Hören dieser Musik darüber im Klaren sein, dass die beiden Sinfonien Burgmüllers im Grunde genommen Frühwerke sind. Frühwerke eines Komponisten, der wegen seines frühen Todes sein Potenzial nicht voll ausschöpfen konnte. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die eher nüchterne Interpretation von Frieder Bernius mit seiner Hofkapelle Stuttgart. Trotz vieler wunderbar ausmusizierter Stellen hätte hier und da ein bisschen mehr Feuer diesen musikalischen Wiederentdeckungen sehr gut getan.
Sinfonien von Norbert Burgmüller - vorgestellt auf NDR Kultur.
Länge: 04:21 Minuten
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