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Das Beste am Norden
Neue Bücher | 21.08.2009 12:30 Uhr

Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht

Aus dem Französischen von Giò Waeckerlin Induni

Vorgestellt von Anna Hartwich

"Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" - dieses Buch und der gleichnamige Film haben Dai Sijie berühmt gemacht. Der chinesische Autor und Filmemacher, geboren 1954 in der Volksrepublik China, lebt seit 1984 in Paris. Nun erscheint sein neues Buch "Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht" im Piper Verlag auf Deutsch, in der Übersetzung von Giò Waeckerlin Induni.

Das Geheimnis des verschollenen Sutras

China, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der letzte Kaiser, als Kind auf den Thron gesetzt, depressiv, einsam und von Halluzinationen heimgesucht, sucht Ablenkung und Genesung in der Kalligrafie und versucht, eine uralte Schriftrolle zu kopieren, ein seidenes Sutra, das die geheimnisvollen Anfänge des Buddhismus in seinen fremdartigen kalligrafierten Zeichen birgt - ohne Erfolg.

"Jene kostbare Querrolle besteht aus zwei Seidenbahnen, einer orangegelben und einer blassblauen, die mit kleinen Stichen zusammen genäht sind. Der Text auf der orangegelben ist in einer unbekannten Sprache geschrieben."

China, 1932: Der letzte Kaiser wird von den Japanern gefangen genommen und in einem Flugzeug in die Mandschurei entführt. In einem Anfall von Wahnsinn zerreißt er das seidene Sutra, das er mit sich führt und wirft es aus dem Fenster des Flugzeugs.

China 1978, zwei Jahre nach Ende der Kulturrevolution: Eine junge Französin studiert Sinologie in Peking. Durch ihre Begegnung mit einem Gelehrten, der ihr die wahre Geschichte des letzten chinesischen Kaisers erzählt, erfährt sie vom Geheimnis des verschollenen Sutrenfragments, das schon das Leben etlicher Menschen bestimmt hat. Als die Ich-Erzählerin dann die Liebe ihres Lebens mit einem Gemüsehändler mit dem eigenartigen Namen Tumschuk erlebt, gerät auch sie in den Bann des verlorenen Sutras.

"Ich ging nun jeden Abend nach den Vorlesungen zu Tumschuk und brachte das Abendessen aus der Mensa mit. Wenn wir fertig gegessen hatten, erzählte mir Tumschuk Geschichten, ich war ganz süchtig nach seinen Geschichten, denn er war ein begnadeter Erzähler."

Eine Welt voller Rätsel

Die Suche nach der Schriftrolle führt sie zueinander und trennt sie zuletzt. Für Tumschuk gerät die Suche nach dem seidenen Stoff zu einer Suche nach der eigenen Identität. Er sucht seinen Vater und findet ihn, einen französischen Sinologen auf den Spuren von Marco Polo, in einem chinesischen Straflager. Als der Vater dort ermordet wird, ist Tumschuk nicht mehr auffindbar: Er weiht sein Leben der Suche nach dem verschollenen Sutrenfragment.

"Dass ich mir nicht das Leben nehme, hat nur, und vor allem, damit zu tun, dass Buddhas Gleichnis auf der Sutrenrolle noch nicht vollständig ist. Ich werde also nach Birma, nach Vietnam, nach Laos, nach Sri Lanka und nach Nepal reisen (...) Oh Buddha! Nur durch Deine Allmacht wird durch das Opfer des Sohnes dem Vater einen friedlichen Schlaf schenken."

Weit über die französisch-chinesische Liebesgeschichte hinausgehend entwickelt sich der Roman zu einer Wanderung durch den asiatischen Raum. Dai Sijie führt seine Leser durch eine faszinierende und fremde Welt voller Rätsel.

Ab dem 24. August lesen Svenja Wasser, Werner Rehm und Patrick Heppt drei Wochen lang in Am Morgen vorgelesen aus dem opulenten Epos "Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht" von Dai Sijie. Die Produktion entstand in der Regie von Anna Hartwich bei NDR Kultur in Hannover. Die Lesung soll einstimmen auf die chinesische Literatur, die bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse im Mittelpunkt steht.

Ausschnitt aus dem Buchcover: Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht von Dai Sijie. © Piper Verlag

Titel

Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht

Autor

Sijie, Dai

Bestellnummer

9783492050814

Erschienen bei

Piper

Preis

19,95 Euro
Weitere Informationen
Vollmond am bewölkten Nachthimmel © NDR Fernsehen

Wie ein Wanderer in einer mondlosen Nacht

Svenja Wasser, Werner Rehm und Patrick Heppt lesen vom 24. August bis 11. September 2009 aus dem Roman von Dai Sijie.

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