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aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg
Es ist bald 20 Jahre her, dass Jostein Gaarder mit "Sofies Welt" die Bücherwelt erobert hat. 1991 erschien das Buch auf norwegisch und 1993 begann die kluge Sofie philosophierend ihren Triumphzug in viele Länder der Welt. Seitdem sind noch etliche Bücher von Jostein Gaarder gefolgt, sein "Orangenmädchen" ist gerade verfilmt worden. Heute erscheint ein neuer Roman des Norwegers für Erwachsene: "Die Frau mit dem roten Tuch".
Er ist inzwischen 57 Jahre alt geworden, aber er wirkt so, als ob weder er noch andere es glauben mögen. Verschmitzten Jungen-Charme versprüht er - und er nimmt seine Fans ernst. Geduldig signiert Jostein Gaarder ganze Stapel von zu Hause mitgebrachter Bücher, spricht jeden an, so dass sich auch jeder persönlich gemeint fühlen darf, und er signiert auch in dicke Sammelbücher der Profi-Autogrammesammler, die jeden Prominenten belagern.
Dann ist er müde und möchte lieber norwegisch sprechen, auch wenn er deutsch oder englisch kann, über sein neues Buch: "Es ist eine Geschichte von zwei Menschen, die sich vor 30 Jahren geliebt haben, zusammen gelebt haben, sich getrennt haben, und jetzt treffen sie sich durch Zufall genau an dem Ort, wo sie vor 30 Jahren etwas erlebt haben, was zur Trennung geführt hat."
Gabriele Haefs und Jostein Gaarder sind ein Gespann als Autor und Übersetzerin seit "Sofies Welt", als sie noch mit zarter Strenge ein bisschen mehr Abwechslung in die deutsche Übersetzung brachte, als das norwegische Original zu bieten hatte. Jostein schätzt seine "Gabriähle", sie übersetzt - ein bisschen verlegen - sein Lob: "Was er sehr schätzt an dieser Person ist, dass sie sehr relevante Fragen stellt, also keine unrelevanten Fragen, sondern genau das, was am Text missverstanden werden könnte, ihm aber nicht mit anderem Kram seine Zeit stiehlt."
Ist sein neues Buch für Jugendliche oder Erwachsene? "Absolut för vuxene" - die Antwort verstehen wir auch auf norwegisch. Norwegisch lernen mit Jostein. Man merkt ihm an, dass er zehn Jahre Lehrer war und noch immer mit seinen Büchern auf vergnüglich unterhaltsame Art etwas vermitteln möchte. Als Lehrer muss er sozusagen "Hamlet ensuite", Sein oder Nichtsein, gegeben haben für seine Schüler. "Jostein glaubt zwar einerseits, dass eine gute Geschichte für Kinder auch eine gute Geschichte für Erwachsene ist, aber nicht zwingend, dass eine gute Geschichte für Erwachsene auch bei Kindern funktioniert", übersetzt Gabriele Haefs.
Sein neues Buch erzählt von zwei Menschen, die bei einem Unfall den Tod eines Menschen verschuldet haben und nach 30 Jahren, auf unterschiedliche Weise, noch einmal beginnen sich damit auseinander zu setzen. Ist Jostein Gaarder so etwas einmal passiert? "Das Buch handelt sehr weitgehend von Schuld. Er hat im Straßenverkehr noch niemanden verletzt oder angefahren, aber was ihm passiert ist genau an der Stelle, wo in dem Buch eine Frau überfahren wird, dass er von der Polizei gestoppt wurde, weil er zu schnell fuhr, und er musste Strafe zahlen."
Werden die beiden mit ihrer Schuld fertig? "Er glaubt schon, dass sie mit der Schuld fertig werden, aber sie können nicht damit umgehen, was danach passiert, was im Zusammenhang damit steht. Sie hatten ein mystisches Erlebnis, das sie unterschiedlich sehen, es ist also praktisch eine Kollision zwischen einem okkultistischen oder spiritualistischen Glauben, einem Offenbarungsglauben oder einem naturwissenschaftlichen."
Jostein Gaarder erzählt von etwas, das vielen passiert ist und das Leben vieler Menschen innerhalb von Sekunden dramatisch verändert haben muss, auf eine verarbeitende und tröstende Weise. Wem es passiert, der hat Tag und Nacht damit zu tun, aber er kann vielleicht lernen, selbst zu bestimmen, wann die Erinnerungsdatei sich öffnen und wann man sie schließen darf - wie zwei Buchdeckel.
Ein Roman von Jostein Gaarder - vorgestellt auf NDR Kultur.
Länge: 04:29 Minuten
Namhafte Kritiker sprechen über die wichtigsten Neuerscheinungen der Saison.